Beiträge getaggt mit NEF

Ich glaube nicht…

04:28 Uhr irgendwo am Rande des Wahnsinns.
Ein Funkmeldeempfänger piepst.
Ein schlechtgelaunter Notarzt fällt aus dem Bett, berappelt sich, steigt in Hose und Stiefel, schnappt sich seine Jacke und verlässt das Bereitschaftszimmer Richtung Liegendanfahrt der Klinik.

Es ist kalt, ich muss Pipi und mein Taxi ist noch nicht in Sicht.
Ein Blick aufs Display des FME sagt mir, warum ich mitten in der Nacht aufstehen muss:
##RTW+NEF #Reanimation# Um-die-Ecke-Straße 4# Weiblich-92 Jahre, CA.Pat##
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Nur die Harten…

###11:04#RTW+NEF#Weitwegstedt#AnDerGrünenWiese5#ACS###

„Naja, also so seit drei Tagen.“ antwortet mir Herr Bauer auf die Frage, seit wann er die Brustschmerzen denn jetzt genau hat. „Ich hab ja gedacht das geht noch wieder weg, aber heute morgen wars so schlimm, das ich erstmal zum Arzt gefahren bin und der hat gesagt ich muss ins Krankenhaus wegen der Pumpe.“
„Da hat er nicht ganz unrecht, fürchte ich.“ entgegne ich mit einem Blick auf das ausgedruckte EKG aus der Praxis, das man so auch im Psychrembel unter dem Stichwort „Myokardinfakrt, akuter, der Vorderwand“ finden könnte. Selten haben sich ST-Trecken so formschön gehoben.
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Unser Lied

Schlaflos und bettflüchtig schlendere ich über die Intensivstation.
Ich mag es, wenn auch hier Ruhe eingekehrt ist und nicht nur die intubierten Patienten sich im Reich der Träume befinden.
Hinter mir höre ich die Tür einer Patientenbox aufgehen.
„Vapor!“ zischt es in meinem Rücken. Ich bleibe stehen und ahne, was jetzt kommt. „Du traust Dich was, Dich hier Blicken zu lassen nach der Nacht!“
Ich kann die Kollegin Schlummer schon verstehen.
„Ach Schlummi. Tut mir echt leid. Aber was soll ich machen?“ frage ich, während ich mich zu ihr umdrehe.
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Keine Ahnung hab ich auch nicht

###02:48#RTW+NEF#Dingsdaallee14#Bedingt Ansprechbar###

„Also: Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffgehalt im Blut sind okay und das EKG sieht auch gut aus. Auch die körperliche Untersuchung ist soweit unauffällig. Und Schmerzen haben sie auch keine?“ frage ich Frau Gehtnichtgut, der ich auf ihrem schmuddeligen Sofa gegenüber sitze.
„Nee, keine Schmerzen. Mir gehts aber beschissen!“ koddert diese zurück und das glaube ich ihr auch, sie wirkt wirklich krank. AZ-Drei-Pfeile-Nach-Unten-Krank.
„Vor vier Wochen waren sie also genau den selben Problemen in der Klinik am Rande des Wahnsinns, richtig?“ „Richtig. Eine Woche stationär.“ „Und was haben die Kollegen da mit ihnen gemacht?“ versuche ich das ganze in eine Richtung zu lenken, die mir bei der Generierung einer Arbeitshypothese helfen könnte. „Mir andere Tabletten gegeben.“ ist die wenig erhellende Antwort. „Den Entlassungsbrief oder eine Medikamentenliste haben sie nicht zufällig hier, oder?“ wende ich mich an Tochter Gehtnichtgut, die sich -löblich- um die alte und nur noch mäßig geistesklare Dame kümmert. „Nee. Ist bei der Hausärztin.“ Da liegen sie, warm und trocken und bringen mich nicht weiter.
„Und können sie mir sagen, was bei ihrer Mutter für Vorerkrankungen bekannt sind und was genau im Krankenhaus zuletzt behandelt wurde?“ setze ich nach, ganz der alte Anamnese-Terrier. „Also. Mutti hat Herz und Lunge, und im Krankenhaus war Niere das Problem. Zucker hat ’se nicht.“
Ich kriege kurzzeitig Angina Pectoris, erhole mich aber spontan. Herz und Lunge hat sie also zum Glück! Ohne lebt es sich ganz mies, hab ich gehört.
„Irgendwie ein bisschen differenzierter haben sie das gerade nicht parat?“ Tochter Gehtnichtgut schaut mich an, als hätte ich verlangt mir die biophysikalischen Grundlagen der Neurotransmission des Spulwurms zu erklären, aber sie gibt alles, was sie kann: „Also Herz ist nich gut und Lunge ist schlecht. Und die Niere geht gerade noch so. Aber: Kein Zucker!“
So ist das also…
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Selektive Wahrnehmung

Auf dem Parkplatz einer Wohnblockanlage haben die Kollegen soeben die Trage mit dem Patienten im RTW verlastet. Ich war noch kurz mit meinem Chauffeur zum NEF gegangen, um mir die BTM-Tasche aushändigen zu lassen.
„Entschuldigen sie, junger Mann?“ spricht mich auf halbem Weg zurück eine hutzelige ältere Dame an. Ich lächle sie freundlich an und mache berufskrankheitsbedingt einen schnellen Check-Up: 70-80 Jahre, am Rollator mobil. Ein bisschen viel Wasser in den Beinen trotz Kompressionsstrümpfen und ein bisschen kurzatmig. Bis bald zum Schenkelhals oder zum nächsten Lungenödem. Akut scheint sie mich aber nicht so nötig zu haben wie der Infarktpatient im RTW, deshalb bin ich relativ kurz angebunden: „Was ist denn?“
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Hallo again Welt!

Wer bin ich?
Arzt in der Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesie. Mit OP, Intensivstation und feuerrotem Spielmobil.

Wo bin ich?
Am Rande des Wahnsinns – in guter alter Tradition.
Inzwischen aber woanders und näher am Rande des Wahnsinns als jemals zuvor….

Was wird es hier zu lesen geben?
Primär Plaudereien aus dem anästhesiologischen Nähkästchen. Also Berichte aus dem Mikrokosmos OP, von der Intensivstation und vom feuerroten Spielmobil.

Warum blogge ich?
Hauptsächlich für mich selbst, weil es unbedingt raus muss…
Wenn es dem geneigten Leser (Dir) dennoch gefällt: Um so besser.

All glory to the Hypnotoad!

DocVapor

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